Staat im Kapitalismus. Debatten der Neuen Linken 1

14.Juni 17:00 Uhr Dortustraße 53

TEIL 1

Staat im Kapitalismus. Debatten der Neuen Linken, Lektüreseminar mit Moritz Zeiler

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Karl Marx plante im Rahmen seiner Kritik der politischen Ökonomie auch einen Band über den Staat. Bekanntlich konnte er dieses Vorhaben aber nicht mehr realisieren. Sein fehlendes Buch zum Staat beschäftigt seitdem die marxistische Linke, die in sehr unterschiedlicher Weise an die im Marxschen Werk verstreuten Fragmente über Staat und Politik anknüpfte. Eugen Paschukanis versuchte in den 1920er Jahren in Allgemeine Rechtslehre und Marxismus als erster, basierend auf einer erneuten Lektüre des Kapital, einen Zusammenhang zwischen Warenform, Rechtsform und Staatsform zu formulieren. Nachdem Stalinismus und Nationalsozialismus diese Debatten brutal beendeten, wurden sie erst wieder Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre von der Neuen Linken aufgegriffen. Ein Versuch, an die Überlegungen von Paschukanis anzuknüpfen, war die Staatsableitungsdebatte. Trotz all ihrer Unterschiede einte die verschiedenen Debattenbeiträge eine Kritik der “Sozialstaatsillusion” und die Frage nach den Grenzen politischer Regulation der Ökonomie. Zu den Beteiligten zählten unter anderem Joachim Hirsch, der später mit seinem Begriff des nationalen Wettbewerbsstaats versuchte, Veränderungen von Staatlichkeit im Kontext der Globalisierung zu analysieren. Heide Gerstenberger war ebenso an der Debatte beteiligt und beschäftigt sich seitdem mit der Analyse der historischen Entstehung und Entwicklung moderner Staaten im Kapitalismus. Ebenfalls in den 1970er Jahren verfasste Nicos Poulantzas mit seinem Werk Staatstheorie einen weiteren Beitrag zur Analyse des Staates im Kapitalismus. Mit seinen Thesen zum autoritären Etatismus beschrieb er bereits vor Jahrzehnten autoritäre Tendenzen in parlamentarischen Demokratien.

Das Seminar ist als Einführung in die Diskussionen der Neuen Linken um die Rolle des Staates im Kapitalismus konzipiert. Es werden gemeinsam Textausschnitte unter anderem von Joachim Hirsch, Heide Gerstenberger und Nicos Poulantzas gelesen und die zentralen Fragen und Begriffe diskutiert.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert. Veröffentlichung: Materialistische Staatskritik. Eine Einführung, Stuttgart 2017. Zusammen mit der Bremer Initiative associazione delle talpe ist er Miterausgeber von Staatsfragen. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin 2009 und Maulwurfsarbeit I-IV, Berlin/Bremen 2009-2018.

Seminarzeiten: Freitag, 14. Juni, 17-22 Uhr und Samstag, 15. Juni, 10-19 Uhr


Aus organisatorischen Gründen bitten wir um vorherige Anmeldung: per Telefon unter 0331.8170432 oder per E-Mail an info@bbg-rls.de