Ein Abriss der Potsdamer Moderne – Vernissage

4.April 18:00 Uhr URANIA, Gutenbergstraße 71/72, 14467 POTSDAM

Bewegte Zeiten in unserem beschaulichen Potsdam: das Minsk wird wohl durch Hasso Plattners güldene Hände aus dem Dornröschenschlaf geweckt, der Biosphäre scheint eine weitere Chance gesichert, der Oberbürgermeister lässt vorerst das Amt in der Garnisionkirchenstiftung ruhen...

Können wir uns nun also zurücklehnen und uns daran erfreuen, dass die Potsdamer Moderne ausnahmsweise mal gerettet ist?

Wir meinen, nicht so schnell und laden euch ein zu unserer Ausstellungseröffnung: »Ein Abriss der Potsdamer Moderne« am Donnerstag, den 04.04.19 von 18 bis 20 Uhr in der Urania Potsdam, Gutenbergstraße 71/72.

Wir zeigen unter diesem Titel Ansichten Potsdamer Architekturen, die in der Hauptsache der »Zwischenmoderne« von 1919 bis 1933 und der »Ostmoderne« aus den 1960er bis 1980er Jahren entstammen. Außerdem geben wir einen Einblick in unsere »Restmoderne« ab 1990. Grundsätzlich sehen wir die Moderne hier eher als einen allgemeinen Begriff des Umbruchs, als Absetzen von traditionellen Vorstellungen, als Aufbruch zu etwas Neuem.

Den dargestellten Gebäuden gemein ist einerseits der Versuch, in der Entstehungszeit neue Philosophien und Anschauungsweisen vom Bauen und auch von sozialen Funktionen der Architektur zu berücksichtigen. Andererseits wurden und werden abgebildete Gebäude bewusst dem Verfall oder dem Abriss preisgegeben bzw. sogar direkt ein ästhetischer und historischer Wert abgesprochen.

Dieser Ignoranz lässt sich bis heute folgen, in eine Zeit, in der weiterhin mit dem Aufbruch der Moderne gehadert wird. In eine Zeit, in der scheinbar lieber die traditionellen Vorstellungen des Alten zurückgesehnt werden, als einen eigenen zeitgenössischen Ausdruck zu suchen.
Es zeigt sich zwar immer wieder, dass Geld und die Visionen Einzelner viel Kraft bergen, um Dinge zu verändern (positiv wie negativ). Aber was würde eine emanzipierte Stadtgesellschaft machen? Wir wünschen uns einen reflektierten Umgang mit der architektonischen Stadtgeschichte und verurteilen sinnlosen Abriss und geschichtsklitternde Rekonstruktionen. Uns geht es um Authentizität, einen wertschätzenden Umgang und den Mut in Potsdam in eine Moderne aufzubrechen.

Freut euch auf ein paar einleitende Worte der Architekturjournalistin Dina Falbe, einen feierlichen Sekt/O-Saft, etwas kleines Kulinarisches vom Imbiss vegetiv aus der Scholle34, uns und natürlich zahlreiche Siebdrucke zur Zwischen-, Ost- und Restmoderne.