Feministische Psychiatriekritik

4.April 19:30 Uhr Buchladen Sputnik

Peet Thesing liest aus ihrem Buch „Feministische Psychiatriekritik". Das Thema Psychiatriekritik
ist schon lange aus dem Blickfeld von Feminist*innen verschwunden. ›Helfende‹ Maßnahmen
werden nicht (mehr) gesellschaftskritisch analysiert, auch psychiatrisch-medizinische Ansätze
werden nicht auf ihre strukturelle Bedeutung hin befragt – Geschichte scheint es in der Psychiatrie
nicht zu geben.
Dabei sind viele Fragen offen: Wie eigentlich entstehen ›psychische Krankheiten‹ in dieser
Gesellschaft? Wie wird zwischen krank und gesund (nicht) unterschieden? Wird Homosexualität
tatsächlich nicht mehr als Krankheit betrachtet? Womit wird psychiatrische Gewalt begründet?
Welche Rolle spielen legale Drogen und Therapien? Hört die feministische Forderung »My body,
my choice« bei Essstörungen und Selbstverletzungen auf?
Thesing hinterfragt psychiatrische Ansätze aus einer gesellschaftskritischen Perspektive. Dabei
orientiert sich die Autorin am Wissen Psychiatrie-Erfahrener. Es geht um die Trennung zwischen
gesund und krank, um die Entstehung von Diagnosen, um Homosexualität und Hysterie und die
Macht der Gutachten. Es wird beschrieben, wie psychiatrische Gewalt funktioniert; Fesselungen
und die Verabreichung von Medikamenten werden dabei ebenso analysiert wie psychische Zugriffe.
Abschließend werden Optionen vorgestellt, die Handlungsfähigkeit wieder möglich macht, wenn
die Psychiatrie sich nicht als Ort des ›Helfens und Heilens‹ erweist. Es wird auch ausreichend Zeit
für Fragen und Diskussion geben.


Mit DGS-Dolmetscher*innen